Positive Entwicklung trotz Unsicherheiten

Die politischen Unsicherheiten erreichten 2025 neue Höchststände. Wesentlich trug dazu die seit Anfang des Jahres regierende US-Administration bei. Sie sorgte unter anderem durch umfassende Zollandrohungen und -erhebungen gegenüber vielen Handelspartnern für weltweite Verunsicherung. Der andauernde Krieg in der Ukraine und die Eskalation des Nahostkonflikts verstärkten dies. In Frankreich führten wackelige Mehrheitsverhältnisse und gescheiterte Regierungen erneut zu politischer Instabilität. Die neue Bundesregierung in Deutschland und die Ankündigung umfassender Fiskalausgaben nahmen die Finanzmärkte aufgrund positiverer Wachstumsaussichten positiv auf. Die weiteren Zinssenkungen der Notenbanken und anhaltende Hoffnungen auf Produktivitätseffekte durch Künstliche Intelligenz (KI) sorgten zusätzlich für Kursanstiege.

Gleichwohl war die Nervosität an den Finanzmärkten spürbar. Äußerungen der neuen US-Regierung führten regelmäßig zu hoher Volatilität. Auch die Ankündigung des chinesischen KI-Start-ups DeepSeek, deutlich kostengünstiger und effizienter als vergleichbare amerikanische KI-Modelle Ergebnisse liefern zu können, sorgte für drastische Marktbewegungen. Beim amerikanischen Chiphersteller Nvidia führte dies innerhalb nur eines Tages zu einem Rückgang des Börsenwerts um knapp 600 Milliarden US-Dollar. Der größte Verlust eines Unternehmens an einem Tag.

Fortsetzung der geldpolitischen Lockerung

Der Zinssenkungszyklus, der in den meisten großen Volkswirtschaften 2024 begann, setzte sich 2025 fort. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte in der ersten Jahreshälfte die Zinsen weiter und wechselte anschließend in einen Haltemodus. Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) wartete mit weiteren Zinsschritten bis in die zweite Jahreshälfte. Auch die Notenbanken in Kanada und im Vereinigten Königreich senkten 2025 ihre Leitzinsen. Die japanische Zentralbank erhöhte angesichts einer sich weiter beschleunigenden Inflation sogar die Zinsen – allerdings von einem vergleichsweise niedrigen Niveau aus.

Multiple Herausforderungen

Grundlage für die weitere geldpolitische Lockerung ist ein ausgeglichenerer Inflationsausblick. Im Euroraum lag die Inflationsrate im Jahresverlauf 2025 in etwa auf Zielniveau: Die Jahresrate betrug 2,1 Prozent. Die für die Geldpolitik relevantere Kerninflationsrate – also die um die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Teuerung – erwies sich weiterhin als hartnäckig. Im Jahresverlauf lag sie, getrieben von Preissteigerungen im Dienstleistungsbereich, bei 2,4 Prozent. Trotz des betont datengetriebenen „Meeting by Meeting“-Ansatzes spielten 2025 auch die Projektionen der EZB zur Inflationsentwicklung im Euroraum wieder eine größere Rolle. Im Dezember 2025 erwartete sie für das Eurosystem 2026 eine Teuerungsrate von 1,9 Prozent sowie von 1,8 Prozent und 2,0 Prozent in den beiden Folgejahren. Die Kerninflation dürfte nach den jüngsten Projektionen 2026 bei 2,2 Prozent liegen und sich anschließend auf dem 2,0-Prozent-Niveau einpendeln. Damit dürfte das symmetrische Inflationsziel von mittelfristig 2 Prozent in etwa erreicht werden.

In den USA erwies sich die Inflation als hartnäckiger. Die von der Fed besonders beachtete Rate Personal Consumption Expenditure (PCE) bewegte sich nahezu seitwärts. Sie lag im Dezember 2025 bei 2,9 Prozent.

USA: Politische Angriffe auf Fed

Die US-Notenbank setzte 2025 ihre geldpolitische Lockerung trotz eines Inflationsniveaus, das über dem Inflationsziel lag, fort. Neben weiteren Zinssenkungen zählte hierzu auch die Ankündigung, die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) im Dezember 2025 einzustellen. Dies bezeichnet den Abbau von Beständen an Wertpapieren aus früheren Ankaufprogrammen in der Fed-Bilanz. Der Leitzins in den USA lag Anfang 2025 in einem Korridor von 4,25 bis 4,5 Prozent. Nach drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte in der zweiten Jahreshälfte 2025 lag er zum Jahresende in einem Korridor von 3,5 bis 3,75 Prozent. Anders als die EZB, deren primäres Mandat die Preisstabilität ist, verfolgt die Fed ein duales Mandat mit Preisstabilität und Vollbeschäftigung als Zielgrößen. Im Zuge der geldpolitischen Lockerung verwies die Fed auf Schwächen am Arbeitsmarkt, die unter Risikoabwägungen hinsichtlich der beiden Zielgrößen trotz weiterhin erhöhter Inflation geldpolitische Lockerungsschritte angemessen erscheinen ließen.

Für Verunsicherung sorgten die zunehmenden Angriffe der US-Regierung auf die unabhängige Notenbank. Die US-Administration forderte offen deutliche Zinsschritte und versuchte, durch Neubesetzungen und juristische Schritte gegen Mitglieder des geldpolitischen Entscheidungsgremiums Einfluss auf die Geldpolitik zu nehmen. Während es der Fed bislang gelang, sich diesen Angriffen zu widersetzen, drohen bei einer Schwächung der Institution und Zweifeln an der Unabhängigkeit der Geldpolitik eine Beeinträchtigung der geldpolitischen Transmission, eine weiter zunehmende Inflationsrate und höhere langfristige Zinsen.

Europa: EZB im neutralen Bereich angekommen

Auch die EZB setzte ihre geldpolitische Lockerung fort, allerdings – anders als die Fed –in der ersten Jahreshälfte. Nachdem die erste Zinssenkung im laufenden Zyklus im Juni 2024 erfolgte, begann die EZB 2025 mit einem Zinsniveau für die geldpolitisch relevante Einlagefazilität von 3,0 Prozent. Der Zins für die Hauptrefinanzierungsfazilität lag bei 3,15 Prozent, der für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 3,4 Prozent. Nach Zinssenkungen im Februar, März, April und Juni um insgesamt 100 Basispunkte beließ der EZB-Rat die Zinsen bis Jahresende bei 2,0 Prozent (Einlagefazilität), 2,15 Prozent (Hauptrefinanzierungsfazilität) beziehungsweise 2,4 Prozent (Spitzenrefinanzierungsfazilität). Damit lag der Zins für die Einlagefazilität im von der EZB als geldpolitisch neutral angesehenen Bereich von 1,75 bis 2,25 Prozent. Die Inflationsrisiken schienen sich zuletzt relativ die Waage zu halten: Abwärtsrisiken bestanden durch Rückgänge bei Energiepreisen, eine Aufwertung des Euros, Umlenkungen insbesondere chinesischer Waren aufgrund von Handelsbeschränkungen oder eine schwächere konjunkturelle Entwicklung. Aufwärtsrisiken bestanden hingegen durch die Ausweitung der Fiskalausgaben im Euroraum sowie durch bestehende Kapazitätsengpässe oder geo- und handelspolitische Friktionen, die etwa zu Lieferengpässen oder Restrukturierungen von Lieferketten führen könnten.

Abbau der Anleihebestände bei der EZB fortgesetzt

Neben den Zinssenkungen wurde die bereits laufende Bilanznormalisierung durch den schrittweisen Abbau von Anleihebeständen aus dem Anleihekaufprogramm (APP) und dem pandemie-bedingten Kaufprogramm (PEPP) fortgesetzt. Die Bestände der APP- und PEPP-Portfolios nahmen kontinuierlich ab, da fällige Anleihen nicht mehr reinvestiert wurden. Zum Jahresende belief sich der Bestand an Wertpapieren aus beiden Kaufprogrammen auf rund 3,7 Billionen Euro.

Anleihemärkte politisch getrieben

Neben Inflations- und Zinserwartungen sowie der Geldpolitik wirkten 2025 vor allem politische Ereignisse auf die Anleihekurse. Im Februar sorgten die Neuwahlen in Deutschland und die Ankündigung des fiskalischen Ausgabenpakets für Verteidigung, Infrastruktur und Klima für einen Anstieg der zehnjährigen Bundrenditen um etwa 30 Basispunkte. Damit verbunden sind erwartete Wachstumsimpulse, die zu höheren langfristigen Realzinsen und in der Folge auch zu steigenden Anleiherenditen in weiteren Ländern des Euroraums führten. So blieben die Zinsaufschläge zunächst weitgehend unverändert. Die Zinssenkungen der EZB bei kurzlaufenden Papieren sorgten für einen steileren, positiven Verlauf der Zinsstrukturkurve. Die zehnjährige Bundrendite lag zu Jahresbeginn bei 2,36 Prozent und stieg mit der Ankündigung des Fiskalpakets, bezogen auf Schlusskurse, kurzzeitig auf knapp 3 Prozent, bevor sie sich nach einem Rückgang bei etwa 2,7 Prozent einpendelte. Zum Jahresende folgte ein kleiner Anstieg und die Renditen lagen zum Jahresschluss bei 2,85 Prozent.

Renditen langlaufender Anleihen bleiben hoch

In den USA starteten zehnjährige US-Anleihen mit einer Rendite von 4,57 Prozent ins Jahr. Sie erreichten – auf Schlusskursbasis – bereits im Januar mit 4,79 Prozent ihren höchsten Stand des Jahres. In der zweiten Jahreshälfte ging es mit den Zinssenkungen der Fed leicht abwärts. Zum Jahresende notierten zehnjährige Papiere bei 4,16 Prozent. Im Vereinigten Königreich blieben die Renditen auf Jahressicht nahezu unverändert. Zu Jahresbeginn lagen sie – wie ihre amerikanischen Pendants – für zehnjährige Titel bei 4,57 Prozent. Zum Jahresende notierten sie mit 4,47 Prozent nur leicht darunter.

Weiterhin steigende Zinsstrukturkurve

Die Zinsstrukturkurve verlief – gemessen an der Renditedifferenz zwischen Anleihen mit Restlaufzeiten von zehn und zwei Jahren – für deutsche und amerikanische Anleihen weiterhin normal steigend. Im Jahresverlauf vergrößerte sich der Renditeabstand. Er lag für deutsche und amerikanische Anleihen zum Jahresende bei etwa 70 Basispunkten. Auch am noch längeren Ende der Zinsstruktur kam es zu einer Ausweitung der Renditeaufschläge: So notierten 30-jährige Papiere in Deutschland gut 60 Basispunkte über zehnjährigen. In den USA belief sich der Aufschlag auf knapp 70 Basispunkte. Eine spürbare Auswirkung auf die Zinsaufschläge hatte der sogenannte Befreiungstag („Liberation Day“) in den USA am 2. April 2025. An diesem Tag verkündete der US-Präsident umfassende Importzölle gegen nahezu alle Handelspartner der USA und löste dadurch panische Reaktionen an den Finanzmärkten aus. Vor allem in den USA stiegen die Zinsaufschläge für länger laufende Titel teils deutlich an.

Euro wertet deutlich auf

Die europäische Gemeinschaftswährung notierte zu Jahresbeginn zum Kurs von 1,0355 US-Dollar. Die Ankündigungen des deutschen Fiskalpakets im März 2025 und der amerikanische „Befreiungstag“ im April sorgten für eine deutliche Aufwertung des Euros. Bis Juli 2025 hielt die Aufwärtsbewegung an, bevor der Euro-US-Dollar-Wechselkurs in eine Seitwärtsbewegung überging, in der er mit leichten Schwankungen bis zum Jahresende verblieb. Zum Jahresschluss kostete ein Euro 1,1745 US-Dollar. Die Stärke des Euros beschränkte sich dabei nicht auf den US-Dollar. Der effektive Wechselkurs des Euros gegenüber den 41 wichtigsten Handelspartnern erreichte 2025 ein Allzeithoch, nahe dem er das Handelsjahr beschloss.

Verunsicherung über die erratische Politik in den USA sorgte für Abflüsse aus dem US-Dollar und eine Stärkung des Euros. Auch die veränderten Zinserwartungen sowie die Aussicht und Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der Fed trugen zur Abwertung des US-Dollars bei. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und des gesamten Euroraums verschlechterte sich durch die effektive Aufwertung.

Edelmetalle profitieren als sicherer Hafen

Das Jahr 2025 war geprägt von geo- und handelspolitischen Unsicherheiten. Unsicherheitsindizes wie der viel beachtete Index Economic Policy Uncertainty erreichten in Deutschland und Europa neue Höchststände, in den USA den dritthöchsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2008 und der Corona-Pandemie 2020. Diese Unsicherheit ging 2025 besonders von den USA und den politischen Ankündigungen sowie Entscheidungen der US-Regierung aus. Davon profitieren konnten Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und Palladium. Sie erreichten neue Rekordstände. Der Goldpreis stieg auf Jahressicht um über 60 Prozent. Er überschritt erstmals die Marke von 4.000 US-Dollar pro Feinunze. Zum Jahresschluss notierte Gold bei 4.324 US-Dollar. Noch stärker legte der Silberpreis zu. Er stieg um knapp 150 Prozent, gefolgt von Platin mit rund 120 Prozent und Palladium mit über 70 Prozent.

Renditen von Bundesanleihen, Monatsenddaten

in Prozent

10-jährige Restlaufzeit:

5-jährige Restlaufzeit:

2-jährige Restlaufzeit:


Quelle: Refinitiv

DAX beendet das Jahr nahe Allzeithoch

2025 verlief für die Aktienmärkte erneut positiv. Viele wichtige Aktienindizes erreichten neue Rekordstände. Angesichts der anhaltenden Krisenherde wie dem Krieg in der Ukraine oder dem Nahostkonflikt sowie der hohen Unsicherheit durch die US-Politik übertraf die positive Entwicklung erneut die Erwartungen. Gründe dafür waren KI-Hoffnungen und eine vielerorts expansive Fiskalpolitik. Der DAX startete mit 19.909 Punkten und bewegte sich bis zum amerikanischen „Befreiungstag“ weiter aufwärts. Der deutlichen Korrektur im April folgte eine ebenso deutliche Erholung auf über 24.000 Zähler im Mai. In der zweiten Jahreshälfte bewegte sich der DAX seitwärts und schloss das Jahr bei 24.490 Punkten.

„Befreiungstag“ sorgt für kurzfristige Turbulenzen

Die größten Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten im vergangenen Jahr wurden vermutlich durch den amerikanischen „Befreiungstag“ am 2. April 2025 ausgelöst. Der US-Präsident kündigte Zölle gegen eine Reihe von Ländern an, die mindestens 10 Prozent auf Importe für alle Länder vorsahen und für einzelne Länder deutlich höher ausfielen. Auf die Schlusskurse bezogen gaben die Aktienmärkte in Europa und den USA innerhalb weniger Tage um über 10 Prozent nach. Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen stiegen in den folgenden Tagen in der Spitze um mehr als 25 Basispunkte. Der Euro wertete um über 2,5 Prozent auf. Der Ölpreis fiel angesichts der Aussichten auf eine geringere globale Nachfrage innerhalb weniger Tage um rund 16 Prozent. Zumindest vorübergehend schien das Vertrauen in den Status der US-Währung als sicherer Hafen beschädigt. Üblicherweise wertet der US-Dollar unter Finanzmarktstress auf und US-Anleihen gewinnen an Wert. Die heftige Reaktion der Finanzmärkte gilt auch als ein Grund, warum die US-Regierung zeitnah einlenkte und die Zölle nach einigen Tagen wieder aussetzte, um Verhandlungen mit den einzelnen Ländern einzuleiten. Die Ankündigung, die Zölle auszusetzen, führte zu einer deutlichen Erholung der Finanzmärkte mit Kursgewinnen.

Wechselkursentwicklung, US-Dollar pro Euro, Monatsdurchschnitt

DAX-Entwicklung, Indexpunkte, Monatsdurchschnitt

Aktienmärkte schließen im deutlichen Plus

Den Turbulenzen rund um den „Befreiungstag“ folgte weltweit eine Aufwärtsbewegung. Bezogen auf die Schlusskurse erreichte der DAX am 9. Oktober 2025 mit 24.611 Punkten den höchsten Stand des Jahres. Er schloss das Jahr nur leicht darunter, mit einem Plus von 23,01 Prozent im Jahresvergleich. Auch die europäischen Aktienmärkte beendeten das Jahr mit Gewinnen: Der EURO STOXX 50 stieg im Jahresverlauf um 18,29 Prozent. Der französische CAC 40 verzeichnete ein Wachstum von 10,42 Prozent, wobei die politischen Unsicherheiten um die angeschlagene Regierung belasteten. Der italienische FTSE MIB erzielte ein Plus von 31,47 Prozent. Die amerikanischen Indizes entwickelten sich teilweise etwas schwächer als die europäischen: Der S&P 500 Composite legte um 16,39 Prozent zu, der Dow Jones Industrial Average stieg um 12,97 Prozent. Der Nasdaq Composite erzielte – getrieben von KI-Hoffnungen und den großen Technologieunternehmen – einen Zuwachs von 20,36 Prozent. Der britische FTSE 100 legte um 21,51 Prozent zu, der japanische Nikkei 225 um 26,18 Prozent.

Die hohen Kursgewinne führten zu erhöhten Bewertungen an den Aktienmärkten. Die Bewertung europäischer Aktien lag über ihrem langfristigen Durchschnitt, während sich amerikanische nahe ihren historischen Höchstständen bewegten.