Genossenschaftsbanken im Geschäftsjahr 2025
Robustes Wachstum
Das Geschäftsjahr 2025 war auch für die Bankenbranche von einem komplexen Umfeld mit schwacher wirtschaftlicher Entwicklung und geopolitischen Unsicherheiten gekennzeichnet. Trotz dieser Herausforderungen erzielten die 646 Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und sonstigen Genossenschaftsinstitute ein sehr gutes Ergebnis. So steigerten sie den Jahresüberschuss vor Steuern um 10,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro und erreichten damit ein neues Rekordniveau. Gleichzeitig bauten sie ihr Kredit- und Einlagengeschäft weiter aus.
Das Kreditgeschäft der Volksbanken und Raiffeisenbanken entwickelte sich 2025 positiv. Trotz der weiter andauernden gesamtwirtschaftlichen Schwäche wurde das gute Wachstum des Vorjahres erneut übertroffen.
Die Kreditbestände der Genossenschaftsbanken nahmen gegenüber 2024 um 30 Milliarden Euro (3,8 Prozent) auf 827 Milliarden Euro zu. Treiber des Kreditwachstums sind nach wie vor die langfristigen Forderungen. Diese legten im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 31 Milliarden Euro (4,3 Prozent) auf 748 Milliarden Euro zu.
Bei den Wohnbaukrediten sowohl an Privat- als auch an Firmenkunden verzeichneten die Genossenschaftsbanken ein kräftiges Wachstum um 4,7 Prozent auf 491 Milliarden Euro. Der Großteil davon wurde im Privatkundengeschäft verzeichnet. Die Wohnbaukredite an inländische Privatkunden wuchsen um 14 Milliarden Euro (4,3 Prozent) auf 347 Milliarden Euro.
Sichteinlagen treiben das Einlagengeschäft
Das Einlagengeschäft wurde vor allem durch die Entwicklung der Sichteinlagen beeinflusst. So legten die Kundeneinlagen der Genossenschaftsbanken 2025 weiter zu. Sie erreichten zum Jahresende 925 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg um 33 Milliarden Euro (3,7 Prozent). Täglich fällige Verbindlichkeiten verzeichneten einen kräftigen Anstieg um 35 Milliarden Euro (6,4 Prozent) auf 589 Milliarden Euro und spiegelten die hohe Liquiditätspräferenz der Kundinnen und Kunden wider. Denn: Die Umschichtung in höher verzinste Termineinlagen fiel 2025 deutlich verhaltener aus als im Vorjahr. Ihre Bestände erhöhten sich nur leicht auf 184 Milliarden Euro (0,8 Prozent). Ein Grund dafür waren unter anderem die geldpolitischen Rahmenbedingungen im Euroraum.
Spareinlagen und Sparbriefe rückläufig
Das Volumen an Sparbriefen ging 2025 zurück. Ihr Bestand verringerte sich um 6,2 Prozent auf 25 Milliarden Euro. Auch die Spareinlagen verzeichneten einen weiteren, jedoch schwächeren Rückgang. Sie sanken um 1,4 Prozent auf 127 Milliarden Euro. Sowohl die geringere Verzinsung klassischer Spareinlagen als auch die Präferenz für liquide oder festverzinsliche Alternativen trugen dazu bei.
Insgesamt behaupteten sich die Genossenschaftsbanken im Einlagengeschäft auch 2025 gut. Das Wachstum täglich fälliger Einlagen kompensierte die Rückgänge in den übrigen Segmenten deutlich. Die Nachfrage nach Einlageformen mit längeren Bindungsfristen ging hingegen aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus zurück.
Bilanzsumme steigt weiter an
Die aggregierte Bilanzsumme aller 646 Genossenschaftsbanken stieg um 2,7 Prozent (32 Milliarden Euro) auf 1.240 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Bilanzsumme je Institut beträgt derzeit 1,9 Milliarden Euro. Die Spannweite der Bilanzsummen reicht bei den Genossenschaftsbanken von 37 Millionen Euro für die kleinste bis zu 52 Milliarden Euro für die größte Bank.
Der Konsolidierungsprozess unter den Instituten setzte sich im Vergleich zum Vorjahr in ähnlichem Umfang fort. Die Zahl der selbstständigen Genossenschaftsbanken betrug Ende 2025 646 Institute. Sie sank fusionsbedingt gegenüber 2024 um 26 Institute (−3,9 Prozent). 47 Banken betrieben neben dem Bankgeschäft auch das Warengeschäft (2024: 49 Institute).
Ertragsentwicklung
Teilbetriebsergebnis: 10,7 Milliarden Euro
Das operative Teilbetriebsergebnis der Genossenschaftsbanken erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr stark um 6,9 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Das entspricht 0,87 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS). Beide wesentlichen Ertragskomponenten, der Zinsüberschuss und der Provisionsüberschuss, stiegen im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Sie beeinflussten die gesamte Ertragsentwicklung positiv und erreichten im Zeitraum der letzten fünf Jahre Höchstwerte.
Zinsüberschuss: 21,5 Milliarden Euro
Der Zinsüberschuss erhöhte sich insgesamt um 5,1 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro (1,76 Prozent der DBS). Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die um 14,0 Prozent gesunkenen Zinsaufwendungen, während sich die Zinserträge um 2,1 Prozent reduzierten. Der starke Rückgang der Zinsaufwände resultierte wie in den Vorjahren aus den Umschichtungen der Kundengelder auf der Passivseite und den reduzierten Refinanzierungskosten, auch aufgrund der Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahr 2025. Die Zinsspanne stieg leicht auf 1,76 Prozent der DBS (2024: 1,73 Prozent der DBS).
Provisionsüberschuss: 6,7 Milliarden Euro
Der Provisionsüberschuss der Genossenschaftsbanken stieg 2025 um 2,0 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Wie in den Vorjahren generierten die Genossenschaftsbanken den größten Teil des Provisionsüberschusses im Zahlungsverkehr und im Vermittlungs- und Wertpapiergeschäft. Insbesondere die positive Börsenentwicklung mit dem gestiegenen Wertpapiergeschäft stärkte den Provisionsüberschuss. Das Vermittlungsgeschäft der Genossenschaftsbanken mit den Unternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe verbesserte sich um 4,8 Prozent auf 705 Milliarden Euro. Dies resultierte insbesondere aus einem deutlichen Zuwachs des Kundenanlagevolumens bei Wertpapieren. Sie erhöhten sich gegenüber 2024 um 7,1 Prozent.
Verwaltungsaufwendungen: 17,5 Milliarden Euro
Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen stiegen 2025 um 2,9 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Das resultierte vor allem aus dem gestiegenen Personalaufwand. Durch Tarifsteigerungen erhöhte er sich um 4,6 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten stieg bei den Genossenschaftsbanken 2025 um 2,1 Prozent auf 139.750 – damit wird der positive Trend der Vorjahre fortgesetzt. Die anderen Verwaltungsaufwendungen stiegen leicht um 0,8 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Ursache hierfür waren unter anderem die Inflationskosten.
Cost-Income-Ratio: 62,1 Prozent
Die Aufwands-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) verbesserte sich von 63,0 Prozent im Vorjahr auf 62,1 Prozent.
Betriebsergebnis: 11,7 Milliarden Euro
Das Betriebsergebnis vor Bewertung entwickelte sich insgesamt positiv und stieg voraussichtlich um 6,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro, während sich das Bewertungsergebnis im Vergleich zum Vorjahr mit −2,2 Milliarden Euro konstant entwickelte.
Das Bewertungsergebnis Forderungen (Abschreibungen und Wertberichtigungen im Kreditgeschäft) blieb mit −2,0 Milliarden Euro auf einem hohen Niveau, wenn auch im Jahresvergleich verbessert, vorrangig aufgrund der nach wie vor hohen Insolvenzwerte bei Unternehmen und Verbrauchern. Die Risikovorsorge im Wertpapierbereich betrug 2025 −0,2 Milliarden Euro, insbesondere aufgrund der Zinsentwicklung.
Jahresüberschuss vor Steuern: 9,5 Milliarden Euro
Der Jahresüberschuss vor Steuern stieg um 10,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro und erreichte damit ein neues Rekordniveau. Die Banken werden den Gewinn nutzen, um dem Fonds für allgemeine Bankrisiken voraussichtlich 4,5 Milliarden Euro (nach 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr) zuzuführen. Die Höhe der gezahlten Steuern in den Regionen stieg leicht um 5,5 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der voraussichtliche Jahresüberschuss nach Steuern der Genossenschaftsbanken stieg auf 2,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 26,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Eigenkapitalbasis gestärkt
Die Genossenschaftsbanken haben ihre Eigenkapitalbasis, die die unverzichtbare Grundlage einer soliden Geschäftspolitik darstellt, 2025 weiter gestärkt. Das bilanzielle Eigenkapital stieg um 2 Milliarden Euro (3,7 Prozent) auf 69 Milliarden Euro. Sowohl ein Anstieg der Rücklagen als auch die Erhöhung der Geschäftsguthaben (gezeichnetes Kapital) leisteten hierzu einen Beitrag. Die Rücklagen wuchsen um 3,3 Prozent auf 50 Milliarden Euro. Die Geschäftsguthaben legten um 4,8 Prozent auf 19 Milliarden Euro zu. Angesichts der anhaltenden konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten bleibt die stabile Eigenkapitalbasis ein wesentlicher Pfeiler der Widerstandsfähigkeit der Genossenschaftsbanken.
17,5 Millionen Mitglieder
Ende 2025 zählten die Genossenschaftsbanken 17,5 Millionen Mitglieder nach 17,6 Millionen im Vorjahr. Dies entspricht einem Nettorückgang von knapp 101.000 Mitgliedern (0,6 Prozent). Damit hat sich der Trend rückläufiger Mitgliederzahlen 2025 im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamt.
Ausblick 2026
Weltpolitische Unsicherheiten weiterhin hoch
Das Jahr 2025 war nach 2024 gesamtwirtschaftlich ein weiteres Jahr der Stagnation, gekennzeichnet von geopolitischen Verwerfungen und einer anhaltenden Investitionsschwäche der deutschen Wirtschaft. Die Unsicherheit aufgrund der US-Politik und internationaler Kriege (Ukraine, Iran) ist weiterhin groß. Angesichts dieser Rahmenbedingungen lässt sich die weitere Konjunkturentwicklung noch nicht belastbar abschätzen. Während im Positivszenario die bisherigen Prognosen einer unveränderten Geldpolitik der EZB Bestand haben könnten, wären im Negativszenario wirtschaftliche Einbußen zu erwarten.
Insolvenzen dürften Höchstwert überschreiten
nabhängig davon dürften die Insolvenzen 2026 ihren Höchstwert überschreiten. Chancen für Wachstum bestehen im Wohnungsbau und im Geschäft mit dem Mittelstand. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden zudem durch die Umsetzung des Investitionspakets der Bundesregierung sowie die gestiegenen Rüstungsausgaben bestimmt, die vor dem Hintergrund globaler Konflikte an Bedeutung gewonnen haben. Die bisherige Kostenentwicklung mit leicht steigender Tendenz dürfte sich fortsetzen. Neben den steigenden Personalkosten sind vor allem die Regulierungskosten sowie weitere Investitionen in die Digitalisierung Kostentreiber.
Herausfordernd bleibt der intensive Wettbewerb mit Neobanken und -brokern, Payment-Anbietern und Tech-Konzernen, der den Anpassungsdruck in der Branche spürbar erhöht.
Unabhängig von den bevorstehenden Herausforderungen verfügen die Genossenschaftsbanken über eine solide Kapitalbasis, um Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu tätigen, zu finanzieren und gleichzeitig die Risiken abzufedern.